Earthlings

Earthlings (2005)
Vor etwas über einem Jahr bekam ich ein verlockendes Angebot: Earthlings und 10€. Ja, richtig, ich wurde dafür bezahlt, dass ich diesen Film sehe. Eine Veranstaltung in Hamburg. Alternativ könnte man das Geld spenden, so hieß es: Aber nein, ich habe das Geld behalten. Und selbst für 10€ würde ich mir diesen Film kein zweites Mal ansehen, schließlich würde es sich dabei um eine Vergütung unter Mindestlohn handeln. Dieser Film regt auf. Ich bin kein Vegetarier oder Veganer gewesen, aber nichtsdestotrotz entwickelte ich bei diesem Werk eine ungeheure Wut. Nun, man könnte sagen: Genau das ist das Ziel des Films. Aber ich denke, dass sich meine Wut von jener der Horden an Nicht-Tier-Konsumierenden, die sich an diesem Film ergötzen und den Wert einer Demonstration von Gewalt an Tieren als starkes Argument für eine entsprechend „tierlieben“ Lebensweise beschreiben, drastisch unterscheidet. Ich bin übrigens weiterhin kein Vegetarier.

Damals musste ich sofort etwas zu diesem Film schreiben. Denn er hatte es auf Anhieb auf meine Hassliste geschafft, bestehend aus zehn Filmen. Leider, muss ich sagen, hat dieser Film es nicht verdient auf dieser Liste zu stehen. Den Grund dafür hatte ich in einem kurzen Kommentar beschrieben, welches ich auf einer anderen Filmwebseite veröffentlicht habe – in derselben Nacht, damit ich ein Zitat nicht vergessen würde:

Unfortunately, such methods still sail today under the flag of art – which is an insult to true art, as well as human intelligence.
I usually do not rate documentaries, as they are not really comparable to fictional films. But this is not a documentary. It’s utter trash. And utter trash deserves to get a ½ star rating.

Bei der ersten Aussage handelt es sich um ein verändertes Zitat, das sich nicht auf Kunst, also “Art”, bezogen hat, sondern auf Science (Wissenschaft). Und zwar wurde der Versuch gestartet, Kritik an Tierversuche anzubringen; nun ja, wobei Kritik nicht wirklich zutrifft. Es handelt sich um eine plakative Aussage, die einer differenzierten und intellektuellen Auseinandersetzung mit einem solch wichtigen und präsenten Thema unserer Gesellschaft in keinem Fall gerecht werden kann.

Und gerade weil „Earthlings“ eine Dokumentation sein sollte, und eben kein Propagandafilm, braucht es einer ausführlichen Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen oder zumindest der eigenen Position um zur philosophischen Debatte beitragen zu können! Andernfalls handelt es sich bloß um einen Schocker: Und seien wir mal ehrlich, vielleicht bewegt dieser Film den einen oder anderen. Ich lebe jedoch weiterhin glücklich mit meinen Steaks und Lederschuhen. (Trotz der jüngsten WHO Warnung!) Vielleicht verfehlt Earthlings die Zielgruppe, indem dieser Film ebenjene Personen emotional bewegt, welche sowieso bereits fleischlos leben? Die emotionale Reaktion ist nicht von einer Positionsbildung zu trennen – und dieser Film versucht ebenjene Reaktion hervorzurufen und eindeutig in eine Richtung zu lenken. Das ist insofern wünschenswert, als dass Personen zumindest angeregt werden, über diese Thematik nachzudenken. Leider ist erschütternd, mit welcher Rhetorik verschiedene Standpunkte angebracht werden, um als Argumente zu dienen. Statt klarzustellen, dass es sich um Standpunkte innerhalb von Debatten handelt – damit beziehe ich mich beispielsweise auf die Kritik an die Wissenschaft – wird eine klare Richtung nicht nur vorgegeben, sondern als Fakt präsentiert. Damit verliert der Film seine Glaubwürdigkeit.

 

Bild aus „www.earthlings.com“

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