Sissy Spacek im B-Movie
Selbst als Fan des New Hollywood-Kinos der 1970er Jahre vergisst man allzu leicht, in wie vielen erstklassigen Filmen aus dieser Zeit Sissy Spacek tragende Rollen gespielt hat. Auch David Thomson vermag sich nicht recht zu erklären, warum er die 1949 in Texas geborene Ausnahmeschauspielerin erst in die im Jahr 2002 erschienene vierte Auflage seines berühmten Biographical Dictionary of Film aufgenommen hat. Das Einzige, was Spacek im Vergleich zu ihren gleichaltrigen Kolleginnen Meryl Streep und Jessica Lange vielleicht ein wenig fehlt, ist deren große Wandlungsfähigkeit. In Sachen Intensität und Genauigkeit ihres Spiels, steht Spacek den beiden Aktricen dagegen in nichts nach. Und in Sachen Oscars kann sie mit einem Gewinn – für ihre Rolle der Countrysängerin Loretta Lynn in „Coal Miner‘s Daughter“ (der nicht gezeigt wird) aus dem Jahr 1980 – und fünf weiteren Nominierungen durchaus mithalten
Schon in ihrer ersten Hauptrolle in Terrence Malicks Gangsterpärchen-Ballade Badlands aus dem Jahr 1973 zeigt die damals 23-Jährige ihr ganzes Können. Sie spielt darin die erst 15-jährige Holly Sargis, die in den 1950er Jahren in einer verschlafenen Kleinstadt lebt und sich in den zehn Jahre älteren Herumtreiber Kit Carruthers (Martin Sheen) verliebt, der sie and James Dean erinnert. Als Kit bei einem Einbruch in ihr Elternhaus ihren verwitweten Vater erschießt, flieht sie mit ihm durch die Badlands von South Dakota. Die Geschichte beruht auf dem Leben von Charles Starkweather und Ann Fugate, die in den Jahren 1957 und 1958 mit einer Mordserie den Mittleren Westen der USA in Angst und Schrecken versetzten. Der Film inspirierte Quentin Tarantino zu seinem Drehbuch The Open Road, das später in True Romance und Natural Born Killers aufgeteilt wurde.
Ein Teenagerin spielte Spacek ebenso überzeugend auch drei Jahre später in Brian De Palmas Carrie, der ersten Verfilmung eines Stephen King-Romans. Als Prom Queen – die sie übrigens auch im wirklichen Leben einmal gewesen war – rächt sie sich mit Hilfe telekinetischer Kräfte an ihren Mitschülern, die ihr einen üblen Streich gespielt hatten.
Einmal nicht vor, sondern hinter der Kamera hatte Spacek schon zwei Jahre zuvor bei De Palmas subversiver Rockoper Phantom of the Paradise gestanden.
Mit einem weiteren Schwergewicht des New Hollywoods, nämlich Robert Altman, arbeitete sie 1977 bei dessen beklemmender Kleinstadtstudie 3 Women. Als mysteriöse Teenagerin (ein letztes Mal) Pinky behauptet sie sich hier tapfer gegen Shelley Duvall und Janice Rule.
Von Spaceks späteren Filmen ist David Lynchs The Straight Story zu sehen. Hier spielt sie Rose, die geduldige Ehefrau von Alvin Straight (Richard Farnsworth), der mit seinem alten Rasenmäher durch mehrere Bundesstaaten der USA fährt, um seinen todkranken Bruder nach vielen Jahren noch einmal zu sehen.
Alles Filme laufen – wie es sich gehört – im Original mit Untertiteln.
Eckhard Haschen
Termine unter: www.b-movie.de
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