Werk ohne Autor – Ein würdiger Oscarkandidat!

Ab 03.10.2018 im Kino

Mit Werk ohne Autor präsentiert Florian Henckel von Donnersmark  nach Das Leben der Anderen und The Tourist seinen dritten abendfüllenden Spielfilm. In dem Film inszeniert von Donnersmark das Leben des an Gerhard Richter angelehnten fiktiven Künstlers Kurt Barnert in der Zeit zwischen 1937 und den späten 1960er Jahren.

Eine von German Films berufene, unabhängige Jury entschied nun vor Kurzem, Werk ohne Autor zum deutschen Oscarkandidaten diesen Jahres zu machen. Völlig zurecht, findet unser Autor Martin Wittler. Hier erklärt er, warum.


Werk ohne Autor ist ein Film, der zeigt, zu was die Deutschen in der Lage sind – im Guten wie im Schlechten. Im Schlechten, weil der Film die tragische deutsche Vergangenheit aufgreift: Die nach all den Jahren immer noch erschreckende Gleichgültigkeit und Kühle, mit der die Nationalsozialisten darüber entschieden, ob ein Mensch es verdiente zu leben oder zu sterben; verbunden mit der Feigheit vor ihren eigenen Taten nach Kriegsende, um ihr eigenes Leben um jeden Preis zu retten. Im Guten, weil niemand die Grausamkeiten dieser Zeiten so gut auf die Leinwand projizieren kann, wie die Deutschen selbst. 

Werk ohne Autor ist aber kein Kriegsfilm und auch kein Film, der nur in der Zeit des Nationalsozialismus spielt. Es ist die Geschichte eines jungen Malers, der während des Naziregimes aufwächst, in der DDR zum Mann reift und schließlich in den Westen flieht – allzeit auf der Suche nach der eigenen Idee für seine Kunst. Und das ist auch der Leitfaden des Films. Und darin liegt seine Stärke. Werk ohne Autor muss die Geschichte eines jungen Künstlers auf Selbstfindungstrip durch die deutsche Geschichte erzählen. Schon eine einzelne Epoche szenisch und atmosphärisch zu treffen – egal ob NS-Zeit, DDR-Leben oder die ungewohnte Freiheit im Westen der 1960er-Jahre – ist eine Herausforderung für jeden Filmemacher. Werk ohne Autor beinhaltet alle drei Epochen. Er ist deshalb auch über drei Stunden lang. Trotzdem ist er kurzweilig und zieht den Zuschauer in seinen Bann.

Der Film von Florian Henckel von Donnersmarck zeigt das, was die Deutschen können: die eigene Geschichte erzählen. Er verbindet das aber mit dem Innenleben eines Künstlers. Vor allem die Musik spielt dabei eine wesentliche Rolle. Sie ist zugleich Ausdruck der Zeitspanne, in der sich die handelnden Personen befinden, als auch Ausdruck dessen, was im Inneren der Hauptdarsteller vor sich geht. Werk ohne Autor setzt also auf Altbewährtes- Der Untergang wurde einst für den Oscar nominiert und mit einem Film über das Leben eines Stasi-Hauptmannes gewann Henckel von Donnersmarck sogar bereits einen Oscar. Er kombiniert dies aber mit der Welt der Künste – Deutschland ist immerhin auch die Heimat berühmter Maler und Künstler wie beispielsweise Gerhard Richter, an dessen Leben die Geschichte des Filmes angelehnt ist. Eine spannende Kombination, die einen würdigen Oscar-Kandidaten abgibt.

 

 

Beitragsbild: © Buena Vista International