KPop Demon Hunters
We’re goin‘ up, up, up, it’s our momentYou know together we’re glowin‘Gonna be, gonna be golden
Es gibt Filme, die ihre Zeit nicht nur abbilden, sondern seismografisch erfassen. Dieser Film gehört zweifellos dazu. Er ist ein präzises Zeugnis unserer Gegenwart, ihrer Massenphänomene, ihrer Dynamiken, ihrer affektiven Ökonomie. Er versteht etwas über eine neue Generation: über Ego-Auflösung im Kollektiv, über Hypementalität, über permanente Selbstbezüglichkeit im Modus der Beschleunigung. Das rechne ich ihm hoch an.
Der Film ist kurzweilig, unterhaltsam, effizient gebaut. Sein emotionaler und moralischer Kern (Umgang mit Schuld und Scham) ist einfach, klar, unmittelbar zugänglich. Er funktioniert wie eine Dopaminpumpe – schnell, glatt, belohnend, jedoch einschichtig. Eine einfache, gute, aber – verkürzte – Message. Man kann sich dem kaum entziehen, und genau darin liegt zunächst seine Stärke: Er weiß sehr genau, wie Aufmerksamkeit heute erzeugt und gehalten wird.
Und doch beginnt hier mein Unbehagen. Denn bei aller analytischen Schärfe ist dieser Film tief konservativ. Er reproduziert unrealistische Körperbilder, affirmiert heteronormative Ideale und verkauft sie als zeitgenössische Normalität. Das ist kein beiläufiger Schönheitsfehler, sondern eine politische Entscheidung. Denn Film ist politisch – nicht nur durch das, was er explizit sagt, sondern vor allem durch das, was er als selbstverständlich setzt.
Ich bin, offen gesagt, kein großer Fan unserer Zeit. Und so schwanke ich bei diesem Film zwischen einem und fünf Sternen. Zwischen Anerkennung für seine Präzision und Ablehnung seiner Normsetzung. Er begreift seine Gegenwart erstaunlich klar – und zieht dennoch die falschen Schlüsse daraus. Er beschreibt richtig, was ist, und legitimiert zugleich, was nicht sein sollte.
Am Ende bleibt für mich diese bittere Einsicht: Ein Kind seiner Zeit kann sie präzise erfassen und dennoch falsch sein. Dieser Film schafft ein falsches Ideal, eine falsche Norm. Und gerade weil er so wirkungsvoll ist, wiegt das schwer.
Bild: © Netflix
We’re goin‘ up, up, up, it’s our moment