Spencer

Spencer. Weihnachten 1991. In dem großen Haus ist der Tisch gedeckt, aber einer der Hauptgäste hat sich verspätet und verfahren: Prinzessin Diana. So beginnt dieses faszinierende Porträt das „eine Fabel aus einer wahren Tragödie“ genannt wird, ein Spiel zwischen Queen, Charles – insgesamt den Royals – und Prinzessin Diana.

Die Zeichnung von Prinzessin Diana bricht in Spencer mit Tradition, zeigt Liebe und Menschlichkeit und trägt dabei einen ungeheuren psychischen Druck in der gesamten Farbpalette. Spencer bietet einer bizarren Authentizität, die den Menschen Diana und die Royals mit einem gespenstischen Schleier präsentiert. Ein Porträt wie ein Picasso, und ebenso genial.

Es handelt sich um ein surreales Porträt einer isolierten Frau, die von der Last der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft heimgesucht wird. Ein psychologischer – authentischer – Horror; ein zarter Horror. Wie ein Gespenst trägt der Film einen unsichtbaren Grusel, denn die ganze Zeit ist da ein gewisser Druck:  Das Erschreckendste an Spencer ist die Darstellung eines unglaublichen Gewichtes – zwischen Nervenzusammenbruch und Fassade, das Erlebnis nicht dazuzupassen – und gleichzeitig dazuzugehören.

Aus jeder Faser schreit die Suche nach der eigenen Identität, was bedeutet es zu Leben und zu sein, was bedeutet es, eine Rolle einzunehmen, die sehr privilegiert und nichtsdestotrotz fernab jedweder wahren Freiheit ist. Ein Druck, der eine so unglaubliche Stimmung der Fragilität erzeugt, während die Ambivalenz der Figur stets ein Gefühl der Kontrolle mit sich trägt. Jene wird besonders in dem fantastischen Spiel zwischen der Figur von Diana und ihren Kindern deutlich.

Kristen Stewart ist dabei in der Rolle von Prinzessin Diana absolut überzeugend. Sie fügt sich perfekt in das Gesamtkonzept – einer Erzählung, die weit weg von typischen Hollywood Biopics ist und vielmehr darauf bedacht ist, eine ambivalente Emotionswelt und eine damit interessante Charakterisierung zu zeichnen. Steward ist in der Lage das Leid einer Frau einzufangen, die so programmiert und isoliert ist, dass sie das Gefühl hat, keinen Ausweg mehr zu haben und nicht mehr zu wissen, wer sie ist – gleichzeitig jedoch unglaublich viel Persönlichkeit und Stärke zeigt.

Ein magischer Spiegel – ein bizarres Bild, verzerrt und daher echter, interessanter – nicht glatt oder perfekt, gar nicht „Royal“ sondern viel mehr menschlich: als würde und jemand ins Ohr flüstern, denn man könne es nicht laut aussprechen. Es sind eben die Royals. Und die Gänsehaut ist umso intensiver, denn die Stimme ist vertraut, persönlich und wahrhaftig. Wir könnten nicht weghören, und hier können wir nicht wegsehen: Spencer ist hervorragend, eine tiefenpsychologische Erfahrung.